… und das war für sie schwer zu glauben.
„Ich esse doch dasselbe wie vor drei Jahren.“
Marion sagte das nicht klagend. Eher so, wie man eine Gleichung aufschreibt, die einfach nicht aufgeht. Sie ist Steuerberaterin, Mitte fünfzig, jemand, der gewohnt ist, Dinge zu verstehen. Und genau das hat sie so beschäftigt: Sie verstand es nicht.
Gleiches Essen. Gleiche Bewegung. Und trotzdem – langsam, hartnäckig – mehr Gewicht. Vor allem in der Mitte.
Was ich ihr gesagt habe, hat sie zunächst irritiert: „Du machst nichts falsch.“
Kurze Pause. Dann: „Das glaube ich dir nicht so ganz.“
Und ich verstehe das. Denn wir sind es gewohnt zu denken, dass der Körper auf klare Regeln reagiert. Weniger rein, weniger drauf. Wenn das nicht stimmt, muss irgendjemand einen Fehler gemacht haben. Meistens landet dieser Verdacht bei uns selbst.
Aber was in der Perimenopause passiert, folgt einer anderen Logik. Der Östrogenspiegel sinkt – und damit verändert sich, wo der Körper Fett speichert, wie er auf Zucker reagiert, wie viel Energie er im Ruhezustand braucht. Das ist keine Fehlfunktion. Das ist der Körper, der sich auf eine neue Lebensphase einstellt.
Marion hat das intellektuell schnell verstanden. Das Schwierige war etwas anderes.
Seit Monaten hatte sie jeden Bissen innerlich kommentiert. Sich beim Essen beobachtet. Kleidung gemieden, die früher selbstverständlich war. Sich auf Fotos nicht mehr erkannt. Und irgendwo, tief drin, hatte sie angefangen zu glauben: So wird es jetzt bleiben. Das ist das Alter.
Dieser Satz – „Das ist halt das Alter“ – ist einer der schädlichsten, die ich in meiner Arbeit höre. Nicht weil er komplett falsch wäre. Sondern weil er jede Handlungsmöglichkeit abschneidet. Er macht aus einer Veränderung eine Endstation.
Ja, der Körper verändert sich. Das ist wahr.
Aber du bist ihm nicht ausgeliefert. Das ist auch wahr.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Sätzen ist nicht klein. Er entscheidet darüber, ob du anfängst zu verstehen, was dein Körper gerade braucht – oder ob du aufhörst, es überhaupt zu versuchen.
Was Marion wirklich geholfen hat, war nicht ein anderer Ernährungsplan. Es war der Moment, in dem sie aufgehört hat, sich selbst als Problem zu betrachten.
Wenn du dich in ihrer Geschichte erkennst – ich bin gerne für dich da.
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