Warum du trotz „gesunder“ Ernährung nicht abnimmst

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Anke Kirschbaum

Gesund und kalorienarm ist (leider) nicht dasselbe …

Ich möchte dir heute ein paar Sätze vorlesen. Schau, ob du dich irgendwo wiedererkennst:

„Ich süße nur noch mit Agavendicksaft – der macht ja nicht dick.

„Zwischendurch esse ich nur einen Müsliriegel. Keine Schokolade oder so.“

„Ich esse nur Bio-Brot. Daran kann mein Übergewicht nicht liegen.“

„Abends gibt’s bei mir Obst und Joghurt – das ist doch gesund.

Und dann noch einer – der mich persönlich besonders anspricht, weil ich ihn selbst lange gelebt habe:

„Ich esse zwischendurch nur eine Handvoll Nüsse. Das ist doch gesund.“

Wenn du beim Lesen innerlich genickt hast – herzlich willkommen. Du bist in bester Gesellschaft. Und ich möchte dir heute erklären, warum genau diese Überzeugungen so heimtückisch sind. Nicht weil sie falsch klingen. Sondern weil sie sich so richtig anfühlen.


Dieser Artikel ist Teil meiner Blogserie zu den häufigsten Abnehm-Mythen. Alle bisherigen Beiträge findest du natürlich zum Nachlesen hier im Blogbereich.


Gesund ist nicht dasselbe wie kalorienarm

Das klingt simpel. Und trotzdem ist es einer der verbreitetsten blinden Flecken beim Abnehmen.

Lass uns kurz ein paar Beispiele anschauen – nicht um dich zu erschrecken, sondern um dir zu zeigen, wie groß die Lücke zwischen „gesund“ und „kalorienarm“ tatsächlich sein kann:

Agavendicksaft hat zwar etwas weniger Kalorien als normaler Zucker – aber immer noch genug, um daraus zuzunehmen, wenn man unbewusst großzügig dosiert. Ein Müsliriegel liegt je nach Sorte deutlich höher als viele denken. Bio-Brot hat dieselben Nährwerte, also denselben Gehalt an Kohlenhydraten und Kalorien, wie jedes andere Brot. Obst enthält Fruchtzucker – chemisch betrachtet ein Einfachzucker mit genauso vielen Kalorien wie Haushaltszucker, auch wenn er natürlichen Ursprungs ist und Obst natürlich grundsätzlich der bessere Snack ist – alleine schon, weil der Zucker zusammen mit Ballaststoffen und Vitaminen „verpackt“ ist.

Und dann sind da Nüsse und Mandeln – das vielleicht trügerischste Beispiel überhaupt. Sie sind tatsächlich gesund: voller wertvoller Fette, Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Gleichzeitig gehören sie zu den kalorienreichsten Lebensmitteln, die es gibt. Ich kenne das aus meiner eigenen Vergangenheit nur zu gut: Ich hatte Nüsse im Müsli am Morgen und eine Schüssel davon als Snack zwischendurch – und habe mich dabei wirklich gut gefühlt, weil ich ja etwas Gesundes aß. Dass ich damit meinen Kalorienbedarf für den Tag schon fast gedeckt hatte, ohne es zu merken – das war mir damals nicht bewusst. Und es ist vielen meiner Klientinnen auch nicht bewusst.

Das bedeutet nicht, dass Nüsse vom Speiseplan verschwinden sollen. Aber eine große Schüssel davon auf dem Tisch, aus der man gedankenlos greift, ist kein neutraler Snack.


Warum dieser Mythos so hartnäckig ist

Hier liegt das eigentlich Interessante – und es hat wenig mit Ernährungswissen zu tun.

Der Glaube „gesund macht nicht dick“ ist kein Irrtum aus Unwissenheit. Er ist ein unbewusstes Muster, das sich im Laufe der Zeit einschleicht. Wir hören immer wieder: Avocado ist gesund. Nüsse sind gesund. Vollkorn ist gesund. Und irgendwann verbindet unser Gehirn „gesund“ mit „unbedenklich“ – und von dort ist es nur ein kleiner Schritt zu „davon kann ich so viel essen, wie ich möchte.“

Das passiert nicht bewusst. Niemand setzt sich hin und denkt: „Ich esse jetzt absichtlich zu viel, weil es Bio ist.“ Es passiert im Hintergrund, leise, automatisch. Genau das macht es so schwer zu erkennen.

Und genau das ist der Grund, warum viele Frauen mir sagen: „Ich esse doch wirklich gesund – und trotzdem nehme ich nicht ab.“ Der Wille ist da. Die Absicht ist aufrichtig. Aber das Muster im Hintergrund arbeitet gegen sie.


Was das mit Glaubenssätzen zu tun hat

„Gesundes Essen macht nicht dick“ ist auf den ersten Blick eine Aussage über Ernährung. Auf den zweiten Blick ist es ein Glaubenssatz – eine tief verwurzelte Überzeugung, die unser Verhalten steuert, ohne dass wir es merken.

Solange dieser Glaubenssatz unbemerkt bleibt, wird er sich immer wieder durchsetzen. Du kannst noch so viele Ansätze ausprobieren – wenn die Grundüberzeugung „das hier ist gesund, also zählt es nicht wirklich“ im Hintergrund weiterläuft, wird sie deine Bemühungen immer wieder untergraben.

Das Gute: Sobald du ihn erkennst, verliert er seinen Griff.


Was bedeutet das konkret?

Gesund essen ist wunderbar – und ich möchte dich dazu ermutigen, das weiterhin zu tun. Aber gesundes Essen und bewusstes Essen sind zwei verschiedene Dinge.

Die entscheidende Frage ist nicht: Ist das gesund? Die Frage ist: Wie viel davon brauche ich wirklich – und esse ich das bewusst oder automatisch?

Das ist der Unterschied, der zählt.


Erkennst du dieses Muster bei dir?

Wenn du das Gefühl hast, eigentlich alles richtig zu machen – und trotzdem nicht vom Fleck zu kommen –, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. In einem persönlichen Gespräch finden wir gemeinsam heraus, welche unbewussten Überzeugungen bei dir im Hintergrund laufen und was du konkret verändern kannst.

In einem persönlichen Gespräch schaue ich mir mit dir zusammen an, wo dein größter Hebel gerade liegt – und was dein nächster konkreter Schritt sein könnte.


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