Wechseljahre und Gewicht: Was wirklich stimmt – und was dich lähmt

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Anke Kirschbaum

Warum Gewichtsabnahme in dieser Lebensphase möglich ist – auch wenn es sich nicht so anfühlt

Es gibt Sätze, die man so oft hört, dass man irgendwann aufhört, sie zu hinterfragen.

In den Wechseljahren nimmst du zu – das ist halt so.​“

Ich höre ihn von Frauen, die sich damit schon fast abgefunden haben. Die nicht mehr wirklich versuchen, etwas zu verändern – weil sie glauben, dass ihr Körper sie in dieser Lebensphase einfach nicht lässt. Dieser Glaube sitzt tief. Und er hat sehr reale Konsequenzen: Wer überzeugt ist, dass Veränderung nicht möglich ist, unternimmt unbewusst auch nichts mehr, um sie herbeizuführen. Der Mythos wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Heute möchte ich diesen Satz auseinandernehmen. Nicht um dir zu sagen, dass die Wechseljahre keine Rolle spielen – das wäre unehrlich. Sondern um dir zu zeigen, wo der Mythos endet und wo deine Handlungsmacht beginnt.


Dieser Artikel ist Teil meiner Blogserie zu den häufigsten Abnehm-Mythen. Alle bisherigen Beiträge findest du natürlich zum Nachlesen hier im Blogbereich.


Was in den Wechseljahren tatsächlich passiert

Der sinkende Östrogenspiegel ist real. Und er hat echte Auswirkungen auf den Körper: Die Fettverteilung verschiebt sich – weg von Hüfte und Oberschenkeln, hin zur Körpermitte. Gleichzeitig steigt bei vielen Frauen in dieser Phase der Cortisolspiegel, was die Fetteinlagerung im Bauchbereich zusätzlich begünstigt. Auch die Insulinsensitivität kann sich verändern, was bedeutet, dass der Körper Zucker anders verarbeitet als zuvor.

Das sind keine Einbildungen. Das sind messbare, biologische Vorgänge.

Und trotzdem – und das ist der entscheidende Punkt – bedeuten sie nicht, dass Abnehmen in den Wechseljahren nicht möglich ist.


Was die Wissenschaft dazu sagt

Eine Studie der finnischen Universität Jyväskylä hat gezielt untersucht, ob der Östrogenstatus einer Frau ihre Fähigkeit zur Fettverbrennung beeinflusst. Das Ergebnis war eindeutig: Frauen in den Wechseljahren verloren in der Studie genauso effektiv Körperfett wie Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren waren – allein durch eine angepasste Ernährung, ohne Sport.

Andere Studien zeigen: Die durchschnittliche Gewichtszunahme in den Wechseljahren liegt bei etwa zwei bis drei Kilogramm über mehrere Jahre. Das ist weniger als viele befürchten – und es ist eine Menge, die sich sehr wohl beeinflussen lässt.

Was sich also wirklich verändert, ist nicht die grundsätzliche Fähigkeit des Körpers, Fett abzubauen. Was sich verändert, sind die Rahmenbedingungen. Und an Rahmenbedingungen kann man sich anpassen.


Was viele Frauen dabei übersehen

In dieser Lebensphase verändert sich oft noch etwas anderes – etwas, das selten offen ausgesprochen wird.

Viele Frauen Mitte 40 bis Mitte 50 befinden sich in einer der herausforderndsten Lebensphasen überhaupt: Beruf auf dem Höhepunkt, Kinder, die gehen oder gerade schwierig sind, Eltern, die Unterstützung brauchen, ein Alltag, der kaum Raum für die eigenen Bedürfnisse lässt. Der Stresspegel ist hoch. Und Stress – das wissen wir – beeinflusst sowohl den Cortisolspiegel als auch das Essverhalten direkt.

Wenn dann das Gewicht trotz allem steigt, liegt es oft nicht an den Hormonen allein. Es liegt an dem, was der Körper mit dem Stress macht – und wie wir unbewusst auf ihn reagieren. Mit Essen. Mit weniger Schlaf. Mit weniger Bewegung. Mit dem Gefühl, keine Kapazität mehr zu haben, sich auch noch um sich selbst zu kümmern.

Das sind keine Charakterschwächen. Das sind Muster, die sich in belastenden Lebensphasen fast automatisch einschleichen. Und die sich verändern lassen – wenn man sie erst einmal erkannt hat.

Diese Muster haben nichts mit deinen Genen zu tun. Sie sind erlernt. Und was erlernt ist, kann auch verlernt werden.


Was das für dich bedeutet

Dein Körper verändert sich in den Wechseljahren. Das ist wahr. Aber er gibt nicht auf. Und er ist dir nicht feindlich gesonnen.

Was ihm in dieser Phase hilft: Dass du nicht resignierst. Dass du nicht glaubst, die Sache sei entschieden. Dass du anfängst, hinzuschauen – nicht nur auf das, was du isst, sondern auf das, was dich antreibt zu essen. Auf die Momente, in denen du greifst, ohne wirklich Hunger zu haben. Auf die Gewohnheiten, die so lange schon da sind, dass sie sich längst wie Fakten anfühlen.

Genau diese Muster – nicht die Hormone – sind es, die wir wirklich verändern müssen.


Erkennst du dich hier wieder?

Wenn du das Gefühl hast, dass du in dieser Lebensphase feststeckst – dass du weißt, dass etwas nicht stimmt, aber nicht genau weißt, wo du ansetzen sollst –, dann lass uns genau das gemeinsam herausfinden.

In einem persönlichen Gespräch schaue ich mir mit dir zusammen an, wo dein größter Hebel gerade liegt – und was dein nächster konkreter Schritt sein könnte.


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